Die Suche nach dem grünen Pfeil

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Es gibt einen neuen Bergpfad in der Sächsischen Schweiz. Der Obere Fremdenweg am Kleinen Winterberg darf wieder genutzt werden. Nur wo beginnt der „neue Bergpfad“? Bergpfade werden mit einem grünen Pfeil auf grauem Grund gekennzeichnet. Wir starten unsere Suche am Reitsteig, dort wo der Besucher das Sterben und neu Entstehen des natürlichen Waldes in der Sächsischen Schweiz beobachten kann. Der Borkenkäfer hat in diesem Gebiet sein Werk schon weitgehend vollbracht. Natürlich beginnt der Bergpfad hier nicht. Das Titelbild ist nur eine Fotomontage.

Wir müssen auf dem Reitsteig noch ein Stück weiter Richtung großer Winterberg gehen. Die Kreuzung, an der der Reitsteig auf den Unteren Fremdenweg trifft, ist nicht zu übersehen und wahrscheinlich auf jeder – auch noch so groben – Wanderkarte der Sächsischen Schweiz eingezeichnet. Wir halten eine Karte im Maßstab 1:10.000 in der Hand, die Böhmwanderkarte „Kleiner Zschand“. Schauen wir uns diese genau an, so scheint der Obere Fremdenweg nicht direkt an der Kreuzung zum Unteren Fremdenweg abzugehen. Müssen wir etwa über die „Schranke“ steigen?

bitte nicht hier entlang!

bitte nicht hier entlang!

Kein ungewöhnliches Unterfangen, wenn man einen offiziell gestatteten Kletterzugang nutzen möchte. Aber bei einem ausgewiesenen Bergpfad? Oder wurden die Markierungen vielleicht doch noch nicht angebracht? Wir möchten hier Wanderer davon abhalten, über die Absperrung zu steigen. Das ist nicht der richtige Weg. Vielleicht begann hier früher einmal der Obere Fremdenweg, die Berpfadmarkierung befindet sich allerdings einige Meter weiter an der Bergungsbox am Unteren Fremdenweg.

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Hier führt ein schmaler Pfad in den Wald, wenige Meter weiter sehen wir die zweite Markierung mit dem grünen Pfeil. Es wird die letzte sein, die wir zu Gesicht bekommen.

Tatsächlich wurden an zwei Stellen die über dem Weg liegenden Bäume mit der Motorsäge bearbeitet, um dem Wanderer einen bequemen Durchgang zu ermöglichen. Wir erreichen nach leichtem Anstieg bald einen breiten Waldweg und können uns nicht mehr verlaufen. Etwa 10 Minuten später schimmert der Pavillon durch den derzeit blattlosen Buchenwald. Wir haben das Ende des Bergpfades erreicht. Reichlich 700 Meter Wegstrecke zeigt der GPS-Track für den Bergpfad, der beinahe einen Medienhype ausgelöst hatte (siehe dazu z. B. Sächsische Zeitung und einen nicht ganz ernst gemeinten Blogartikel auf sandsteinwandern.de).

pavillon2 Ist der Bergpfad nun ein Sackgasse? Dem „normalen Wanderer“ empfehlen wir tatsächlich, den gleichen Weg zurückzugehen. Unmittelbar am Pavillon gibt es zwar einen Kletterzugang, der uns auf den Unteren Fremdenweg führen würde, im nassen Herbstlaub verzichten wir allerdings auf den steilen Abstieg. Den Kletterzugang heben wir uns für eine Rundwanderung im Sommer auf. Dann werden wir aber sicher den steilen Pfad als Aufstieg nutzen und den Bergpfad vom Pavillon Richtung Reitsteig gehen. ofw-kreuzwegIn dieser Richtung gibt es allerdings keine Markierung. Wer also tatsächlich den Kletterzugang als Aufstieg nutzt, steht erst einmal etwas ratlos am Pavillon. Ohne Markierung darf bekanntlich ein Weg in der Kernzone nicht begangen werden. Das ehemalige Sperrzeichen am Baum wurde zwar entfernt, ein Bergpfad-Symbol als Ersatz fehlt jedoch.

Fazit:
Es gibt also tatsächlich einen neuen Bergpfad in der Sächsischen Schweiz. Dieser ist stolze 700 Meter lang (nach meiner Aufzeichnung 711 Meter, aber wir wollen hier nicht um ein paar Schritte mehr oder weniger diskutieren), bietet keinerlei Aussicht und endet de facto als Sackgasse für den Halbschuhwanderer am Pavillon. Auch von hier gibt es keine Aussicht. Wer diese sucht, muss auf den Unteren Fremdenweg ausweichen, denn dort gibt es gleich zwei sehr schöne Punkte, wie die beiden folgenden Fotos zeigen (leider bei etwas diesigem Dezemberwetter).

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Damit wir nicht falsch verstanden werden: Wir freuen uns über jeden historischen Weg, der wieder frei zugänglich ist, aber ein Wander-Highlight ist der Obere Fremdenweg für uns nicht.

 

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